Mobile Mikrowohnformen

Was sind Mikrowohnformen?

Tiny Häuser, Minihäuser, mobile Wohnmodule, Jurten und Wägen sind mögliche Bausteine der Mikrowohnkultur

Mobile Kleinstwohnformen sind leicht genug, um ganz oder in Teilen transportiert zu werden und auf Schraub oder Punktfundamenten zu stehen. Auf manchen Untergründen reichen die Bauwerks-eigenen Stützen (oder Räder).

Von Kleinstwohnformen sprechen wir auch dann, wenn die Grundflächee einer Einheit maximal 40m2 beträgt. Im Normalfall liegt die Grundfläche für Einzelpersonen zwischen 12m2 und 30m2 – auch zweigeschossige Bauwerke und stapelbare Module sind möglich.

Eine Absage an den Leerstand

Des Ausmaß an Leerstand von Gebäuden ist angesichts des dringenden Bedarfs an Wohnraum und den hohenen Wohnkosten im Westen Österreichs beeindruckend – dies betrifft sowohl gänzlich leerstehende Gebäude, als auch ungenutzte Räume in Einfamilienhäusern. Im Unterschied zu einer Wohnung oder einem Einfamilienhaus gibt es im Falle einer Mikrowohneinheit kaum Gründe, sie leerstehen zu lassen: sie können sehr leicht umfunktioniert werden und sind räumlich relativ flexibel. Eine Familie kann sich also einfach eine zusätzliche Mikrowohneinheit zulegen, wenn der Raumbedarf wächst und diese dann auch wieder weitergeben, wenn Kinder erwachsen sind – ohne dass damit das ganze Zuhause gewechselt weden muss. Auch sich wandelnde Paarbeziehungen oder dynamische Familienstrukturen können von dieser Flexibilität profitieren.

Räume können also durch Mirkowohnkultur genau so genutzt werden, wie der Bedarf besteht. Natürlich bringen mehrere kleine Räume auch mehrere Oberflächen mit sich, die auch gedämmt werden müssen. Der Ressourcenverbrauch ist aber immer noch sehr gering im Verhältnis zu einem Einfamilienhaus oder im Verhältnis zu der Ressourcenverschwendung, welche bem aktuellen Ausmaß an Leerstand zu tragen kommt. Wichtig ist, dass die Gebäude qualitätsvoll gebaut werden, damit sie dann wirklich auch lange nutzbar bleiben.

Was ist das Besondere an Kleinstwohnformen?

Was viele Menschen am Leben im TinyHaus, in mobilen Minihäusern, oder in anderen modularen Mikrowohnformen interessiert, ist die Einfachheit, der Fokus auf das Wesentliche, das ‚Weniger ist Mehr‘. Dahinter steht oft ein Bedürfnis wirklich nur das zu besitzen und nur den Raum zu besetzen, welcher auch wirklich benötigt wird.

Wir leben in einer Zeit, in der das Bewusstsein dafür sehr verbreitet ist, dass die meisten Güter, welche wir konsumieren oder verwenden in Ausbeutungsverhältnissen von Menschen, Tieren und Böden produziert werden – auf Kosten des Gesamtgleichgewichts und damit auch auf Kosten unserer eigenen Gesundheit und auf Kosten der Chancen zukünftiger Generationen. Das Bedürfnis ist groß, Wege zu finden, der eigenen Freiheit Raum zu geben, um Wege für ein wertschätzendes Geben- und Nehmen mit unserer Mitwelt zu erforschen und (er)leben.

Dass das Tiny Haus nun auch ein Tourismus-Trend geworden ist – ein zusätzlicher Luxus – und als trendy lifestye Kommunikziert wird, wirkt dabei auf den ersten Blick befremdlich. Auf den zweiten Blick zeigt diese Entwicklung jedoch auch, dass in die Mikrowohnkultur mit ihren vielseitigen Qualitäten eine breite Bevölkerungsschicht verschiedener Generationen anspricht, und zu neuen Visionen zur Zukunft des Wohnens, Arbeitens und Zusammenlebens anregt.

Welche Mikrowohneinheiten sind für die TinyHausGemeinschaft Vorarlberg interessant?

Die TinyHauGemeinschaft Vorarlberg wird auf der materiellen Ebene aus Mikrowohneinheiten gebildet (Wohnhäuser und Gemeinschaftsinfrastruktur), welche so weitgehend wie möglich aus natürlichen Baustoffen bestehen und durch re- oder upcycling oder Kompostierung wieder produktiv in den Verwertungskreislauf eingehen können. Weiters legen wir Wert auf Regionalität in Herkunft der Baustoffe bzw. der Herstellung und Vertrieb der Gebäude. Es versteht sich von selbst, dass eine Mikrowohneinheit, die dem Wohnen dienen soll, auch die vorgegebenen Richtlinien (Brandschutz, Dämmwerte etc.) erfüllen muss, um eine Baugenehmigung erlangen zu können.

Insbesondere für ein Projekt im Ballungsraum ist natürlich auch wichtig, dass die Gebäude ästhetisch sind und mit der Landschaft in Resonanz treten – Wohnwagen/Wohnmobile oder Container aus Metall kommen als Wohngebäude für dieses Pilotprojekt nicht in Frage, obgleich die Leistbarkeit des Wohnens natürlich sehr wohl auch ein großes Anliegen von uns ist. Letzteres versuchen wir primär durch ein gemeinsames Engagement für die Umsetzung alternativer Finanzierungsformen zu erwirken.

Was enthalten die Mikrowohneinheiten

Die Wohneinheiten sind individuell gestaltet und werden – abgesehen vom der Gästeeinheit -nicht vom Verein errichtet, sondern von den Einzelpersonen. Die Wohneinheiten enthalten das, was für den unmittelbaren täglichen Bedarf sinnvoll ist, dazu können auch Nasszellen oder Kochgelegenheiten zählen. Im Idealfall werden diese jedoch nur in Einzelfällen innerhalb der Wohneinheit benötigt, denn spätestens ab Phase 3 stehen nicht nur Kochmöglichkeiten, sondern auch auch Nasszellen im Gemeinschaftsgebäude zur Verfügung.

Die Möglichkeit die Einheit mit Anschlüssen zu versehen besteht, mit dieser Möglichkeit wollen wir sinnvoll (entsprechend der beschriebenen Werte) und in Abstimmung mit der Gemeinde verfahren.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass es Sinn machen kann die Einreichtung der Mikrowohneinheit erst im Laufe der Zeit zu vervollständigen. Dies ermöglicht es im Ausprobieren und Erleben herauszufinden, was wirklich gebraucht wird und wie diese Bedürfnisse im jeweiligen Kontext am sinnvollsten verwirklicht werden können – vielleicht auch auf einen neue, nachhaltigere, schönere Art und Weise als das was wir bisher kannten oder uns vorstellten. Dabei können wir uns auch gegenseitig inspirieren.

Wie finde ich eine passende Mikrowohneinheit?

In der Gruppe haben wir viele Erfahrungen und viel Wissen gesammelt zu Mikrowohneinheiten gesammelt, auch im teilweisen Selbstbau. Allen Mitgliedern unseres Vereins wird ab Frühjahr 2021 auf Anfrage eine Übersicht zur Verfügung gestellt, in welcher dieses Wissen gebündelt dargestellt ist. Diese Übersicht enthält sowohl eine Überblick über Mikrowohneinheiten, welche unserer Ausrichtung entsprechen, wie auch Hinweise zu bestimmten Bauwerkstypen. Die Liste darf vorerst nicht an nicht weitergegeben, veröffentlicht, oder für gewerbliche Zwecke verwendet werden und stellt eine Angebot des Vereins an die Mitglieder dar.